Altbürgermeister Dr. Johann Bauer an seinem Schreibtisch. 30 Jahre wirkte Dr. Johann Bauer als Erster Bürgermeister mit großem persönlichen Einsatz in unserer Kreisstadt. (Foto: Stadtarchiv Weilheim)

Am 30. Juni 1926 erblickte in München Johann Bauer das Licht der Welt. An seiner Wiege wurde ihm noch nicht gesungen, dass er einst Weilheim maßgebend prägen sollte. Nach seinem Jurastudium an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität führte ihn 1953 sein Weg in unsere Stadt, wo er eine Rechtsanwaltskanzlei übernahm und mit der Wahl in den Stadtrat 1956 bereits auch erste kommunalpolitische Verantwortung.

1958 wählten ihn die Weilheimer als Kandidat von CSU, Bayernpartei und FDP zu ihrem Ersten Bürgermeister.

Im Vorfeld der Wahl hatte er erklärt: „Weilheim soll einen Bürgermeister bekommen, der nicht nur für sechs oder zwölf Jahre dieses Amt ausfüllt; an der Spitze der Verwaltung soll vielmehr ein Mann stehen, der über möglichst lange Zeit hinweg eine kontinuierliche Arbeit leisten und damit auch der Stadt eine gedeihliche Entwicklung garantieren kann.“

Und gerade die Kontinuität der Arbeit war gefragt, denn das, was Bürgermeister Dr. Johann Bauer ab der ersten Minute seiner Amtszeit zu bewältigen hatte, das ließ sich nicht in einer Wahlperiode verwirklichen. Weilheim hatte damals noch keine geregelte Kanalisation, mangels Druck gab es in vielen Häusern ab dem Erdgeschoß kein fließendes Wasser, in den Schulen erfolgte der Unterricht im Schichtbetrieb, etc., etc.

Mit seiner enormen und zügigen Tatkraft, die ihm auch den respektvollen Ehrentitel „Express-Hansi“ einbrachte, packte er die Probleme an und löste sie. Wie er beim Abschied vom Bürgermeisteramt sagte, hat er sich reingearbeitet, ja direkt reingeschmissen „unter dem Motto eines Juristen: Ich will die Stadt wie eine Mandantin betreuen.“ Und er hat sie gut betreut, hat die ihm gestellten Aufgaben bravourös gemeistert, denn wie hätte er sonst 30 Jahre dieses verantwortungsvolle Amt innehaben können?

Untrennbar mit seiner Amtszeit bleiben etwa die Errichtung der Fußgängerzone, der Bau der Kläranlage, die Schulhausbauten, die Gründung der Musikschule, die Hochwasserfreilegung sowie der Bau des Feuerwehrgerätehauses an der Krumpperstraße und der Bau der Stadthalle verbunden.

Eine Fünf-Tage-Woche mit 40 Stunden Arbeitszeit war ihm fremd. Überall war er anzutreffen, nicht zuletzt bei den Weilheimer Vereinen, bei denen er vielfach den Vorsitz übernommen hatte und dadurch auch zu deren Wachsen und Gedeihen beitrug.

Neben der Kommunalpolitik galt seine Liebe seiner Frau, seinen Kindern und seinem Enkelkind sowie der Musik, und da besonders dem Akkordeon.

Die Stadt ehrte ihn auf Grund seiner großen Verdienste mit der Ehrenbürgerwürde und dem Titel „Altbürgermeister“. Für Dr. Johann Bauer war dies aber nicht nur ein Titel, nein er war ihm bis zum Lebensende am 21. Oktober 2013 auch Aufgabe und Verpflichtung, die er voll und ganz ausfüllte.