2.12.1 Führungen

In mehreren Führungen wurde interessierten Besucherinnen und Besuchern ein spannender Einblick hinter die Kulissen des Stadtarchivs geboten. Wie in den Vorjahren besuchte das Mehrgenerationenhaus auch 2025 das Stadtarchiv. Der Weilheimer Katholische Frauenbund und die Mitarbeiter des Evangelischen Dekanats Weilheim waren ebenfalls zu Gast im „historischen Gedächtnis der Stadt“.

Sie erhielten einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben eines mittleren kommunalen Archivs, wie etwa Recherche und Auskunftserteilung im Rahmen von Familienforschungen und Erbenermittlungen, Anfragen zum Alter von Gebäuden bzw. dem Zeitpunkt ihrer Veränderung oder historischen Ereignissen der Stadtgeschichte. Daneben wurde anhand von ausgewählten Beispielen, wie etwa einer Jahresrechnung des Heilig-Geist-Spitals aus dem Jahr 1764 oder einem Briefumschlag, der 1772 den Weg von Ofen (heute Budapest) nach Weilheim fand, aber auch an Archivalien zum Frauenbund und zur evangelischen Pfarrei das breite Spektrum der im Stadtarchiv aufbewahrten Unterlagen und deren Bedeutung für die historische Forschung aufgezeigt.

Ein Umschlag einer historischen Nachricht(Foto: Stadtarchiv Weilheim)

Auf dem Umschlag ist zu lesen:
praes. den 9. Aug. 1772 (= Eingangsdatum) von ofen,
Denen WohlEdlgebohrnen, fürßichtig undt wohlweißen Herren N: N: Burgermeister, Richter und Räthen der Stadt Wallheim in Bayern x.

Melchior Rhait
BuechbinderGsölln zu
Meinen HochzuEhrenden herren ofen wegen heyrathguett
Betr.

Per Vienn,
München,

Wallheim,
in Bayer

Im Rahmen einer Fortbildung der Feldgeschworenen des Amtsbezirks wurde der Stadtarchivar Dr. Joachim Heberlein eingeladen, im Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung an zwei Tagen einen thematischen Vortrag zu halten. Unter dem Titel „die Marchung durchgangen“ – Weilheimer Archivalien berichten vom Feldgeschworenenwesen“ berichtete er in kurzweiliger Weise über dieses wichtige kommunale Ehrenamt und seinen Niederschlag in verschiedenen Archivalien.

2.12.2 Stadtarchiv und Schule

Die „Schule am Gögerl“ besuchte 2025 erstmals mit zwei Klassen das Weilheimer Stadtarchiv. Nach der altersgerechten Führung, die einen Blick hinter die Kulissen des Archivs erlaubte, erlebten die Schülerinnen und Schüler anhand von Originalquellen hautnah Geschichte. Da im Religionsunterricht das Thema „Ablass“ behandelt worden war, wurde eine Ablassurkunde aus dem Jahr 1479 näher betrachtet und dabei auch die damalige Schrift sowie das Beschreibmaterial, nämlich Pergament und dessen Eigenschaften, thematisiert. Anhand eines Bogens Hadernpapier aus dem 19. Jahrhundert bot sich die Möglichkeit, die verschiedene Haptik der unterschiedlichen Materialien, darunter auch ein heute verwendetes Papier, zu „begreifen“

Zwei Schüler weiterführender Schulen nahmen die Möglichkeit wahr, im Stadtarchiv den Alltag eines Archivars kennen zu lernen und sich mit dessen vielfältigen und spannenden Aufgabengebieten vertraut zu machen.

2.12.3 Stadtarchiv und Wissenschaft

Wie in den Vorjahren auch, leistete das Stadtarchiv 2025 so manche Hilfestellung bei wissenschaftlichen Anfragen, wie etwa zum Dießener Maler Karl Vorhölzer, der nach seiner Zeit am Ammersee in Weilheim lebte und hier auch verstarb.

Zur Geschichte des Weilheimer Mooses und dessen Bewirtschaftung erschien in diesem Jahr eine umfangreiche Broschüre, zu der das Archiv vielfältige Informationen und Daten sowie Bildmaterial zur Verfügung stellte.

Zur Geschichte des Weilheimer Mooses und dessen Bewirtschaftung erschien in diesem Jahr eine umfangreiche Broschüre, zu der das Archiv vielfältige Informationen und Daten sowie Bildmaterial zur Verfügung stellte.

Im Jahr 1875 erhielt das Passionsspieldorf Oberammergau als Geschenk König Ludwigs II. von Bayern eine monumentale Kreuzigungsgruppe. Aus diesem Anlass erschien eine Broschüre, zu der das Stadtarchiv die einschlägigen Berichte aus dem damaligen Weilheimer Tagblatt beitragen konnte.

Im Zusammenhang mit der Restaurierung der Mariensäule, die allein durch Spenden finanziert wurde, stellte sich die Frage nach dem Alter der einzelnen Bauteile. Da im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nicht die für die Entscheidungsfindung notwendigen Unterlagen vorhanden waren, konnte das Stadtarchiv anhand seiner Archivalien zur nötigen Klarheit beitragen. Auf Anregung des Stadtarchivars erhielt die Säule, die nicht nur ein Monument der Dankbarkeit früherer Generationen ist, sondern auch in die Gegenwart und die Zukunft spricht, eine weitere Inschrift. Jene, die 1698 die Mariensäule errichten ließen, bedrängte Krankheit, Hunger und Feuer, weshalb sie die Gottesmutter als Schutzpatronin Weilheims um ihren Beistand gegen diese lebensbedrohlichen Gefahren baten. Uns bedrängt heute die Sorge um den brüchigen Frieden. Daher wurde auf dem Sockel eine Anrufung aus der lauretanischen Litanei eingemeißelt: „Regina pacis, ora pro nobis.“ – „Königin des Friedens, bitte für uns.“

2.12.4 Ausstellung „50 Jahre neue Turmkuppel für Mariae Himmelfahrt“

Die Turmkuppel für Mariae HimmelfahrtUnter den Augen zahlreicher Schaulustiger wurde die Kuppel per Schwerlastkran auf den Kirchenturm gesetzt. (Foto: Hans Wiedemann junior)

Am 3. Juni 1975 erhielt der Turm der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt die in einer Rekordzeit von gut zwei Monaten erstellte neue Kuppel aufgesetzt. Dieses Großereignis dokumentierte Hans Wiedemann jun. in einer detailreichen Diaserie.

Diese und die im Weilheimer Tagblatt erschienenen Zeitungsberichte bildeten die Grundlage für eine Ausstellung, die sowohl in den Fenstern des Stadtarchivs als auch in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt gezeigt wurde.